Warum eine Dichtung wiederverwendet wird
Sie kam in einem Stück heraus, ist nicht gerissen, und gerade ist kein Ersatz zur Hand. Die Verbindung war dicht, also sollte dieselbe Dichtung wieder dichten. Diese Überlegung übersieht, dass sich die Dichtung im Betrieb verändert haben kann und der Ausbau diese Veränderung nicht rückgängig macht.
Was sich im Betrieb verändert
- Dicke: Unter Last und Temperatur kann eine Faserflachdichtung durch Verpressung und Kriechen bleibend dünner werden. Bei Elastomeren beschreibt der Druckverformungsrest die bleibende Verformung. Beim Wiedereinbau verhält sich die Dichtung dann anders als bei der Erstmontage.
- Material: Wärme und Medium können Gummi und Bindemittel altern lassen; die Dichtung kann härter und weniger anpassungsfähig werden. Wie stark, hängt von Werkstoff, Temperatur und Einsatzdauer ab.
- Anpassung an die Fläche: Unter Pressung formt sich die Dichtung an die Gegenfläche an. Der Abdruck der alten Gegenfläche ist kein Nachweis dafür, dass die Dichtung bei der Wiedermontage erneut dichtet.
- Innenkante: Die Kante an der Bohrung ist dem Medium direkt ausgesetzt und kann gestaucht, verhärtet oder beschädigt sein.
Was eine Sichtprüfung zeigt — und was nicht
| Sichtbar | Nicht sicher sichtbar |
|---|---|
| Risse, Ausrisse und Schnitte vom Ausbau | Bleibende Dickenänderung; dafür ist eine Messung nötig |
| Deutliche Quellung, Erweichung oder Verfärbung | Verhärtung; dafür ist ein Vergleich oder eine Prüfung nötig |
| Grobe Verformung oder herausgedrücktes Material | Anpassung an eine Fläche, die nach dem Reinigen anders ist |
Eine Dichtung, die bei der Sichtprüfung unauffällig ist, hat damit noch keine Dichtheitsprüfung bestanden.
Wie sich ein Leck nach Wiederverwendung zeigt
Ein Leck kann kurz nach der Wiedermontage auftreten, beim ersten Druckaufbau oder nach den ersten Temperaturwechseln. Dichtet die Verbindung danach mit einer neuen Dichtung bei gleicher Fläche, Montage und Ausrichtung, spricht das für die alte Dichtung als Ursache. Andere Einflüsse sind damit nicht ausgeschlossen.
Was für den Ersatz gilt
Eine verpresste Faserflachdichtung in der normalen Servicepraxis nicht wieder einsetzen; nur eine ausdrücklich abweichende Geräteprozedur des Herstellers erlaubt eine Ausnahme.
Ob ein O-Ring oder eine Gummidichtung wieder eingesetzt werden darf, bestimmt die Montageanleitung des Geräte- oder Armaturenherstellers. Ohne solche Vorgabe ist ein neues, passendes Teil die sichere Wahl.
Die Nenndicke des Ersatzes kommt aus der Herstellerangabe oder der Spezifikation des passenden Neuteils. Die verpresste Altdichtung zeigt sie nicht sicher; ihre Maße dienen nur zum Abgleich.
Häufige Fragen
Kann ich eine Dichtung wiederverwenden, wenn sie gut aussieht?
Eine verpresste Faserflachdichtung in der normalen Servicepraxis nicht wieder einsetzen; nur eine ausdrücklich abweichende Geräteprozedur des Herstellers erlaubt eine Ausnahme. Bei O-Ringen und Gummidichtungen bestimmt die Montageanleitung des Herstellers.
Warum leckt die wiederverwendete Dichtung, obwohl sie vorher dicht war?
Weil sie sich im Betrieb verändert haben kann: bleibend dünner, gealtert und an die alte Fläche angepasst. Beim Wiedereinbau verhält sie sich dann anders als bei der Erstmontage.
Zeigt eine Sichtprüfung, ob die Dichtung noch gut ist?
Nur zum Teil. Risse, Schnitte und Quellung sind sichtbar; eine bleibende Dickenänderung, Verhärtung oder die Anpassung an die alte Fläche nicht sicher.
Woher nehme ich die Dicke der neuen Dichtung?
Aus der Herstellerangabe oder der Spezifikation des passenden Neuteils. Die verpresste Altdichtung zeigt die Nenndicke nicht sicher.
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