Was der Druckverformungsrest ist
Eine verpresste Elastomerdichtung kann nach dem Entlasten bleibend verformt bleiben. Der Druckverformungsrest beschreibt diese Formänderung unter definierten Prüfbedingungen.
Bei einem Versuch mit konstanter Verformung: Druckverformungsrest in % = (t₀ − t₁) / (t₀ − tₛ) × 100. t₀ ist die Ausgangsdicke, t₁ die Dicke nach der festgelegten Erholung und tₛ der Abstand im verpressten Zustand.
In diesem Versuch bedeuten 0 % die volle Rückstellung der aufgeprägten Verformung und 100 % keine Rückstellung. Die Formel bezieht den Rest auf die vorangegangene Prüf-Stauchung.
Wie es in der Praxis aussieht
Der Querschnitt ist vor der Belastung rund, unter Verpressung verformt und nach Entlastung je nach Mischung fast wieder rund oder bleibend abgeflacht. Wie viel Rückstellung ein bestimmter Ring zeigt, hängt von Mischung, Belastung und Erholungsbedingungen ab.
Intakt ausgebaut heißt nicht automatisch wiederverwendbar. Ob eine Wiederverwendung zulässig ist, legt die Montagevorgabe des Geräteherstellers fest; im Zweifel eine neue Dichtung einsetzen.
Wie geprüft wird
ISO 815-1 behandelt den Druckverformungsrest bei Umgebungstemperatur oder erhöhten Temperaturen unter festgelegter Verformung. Verpressung, Haltezeit, Temperatur und Entlastungs- beziehungsweise Erholungsablauf gehören zum jeweiligen Verfahren; sie sind nicht für jede Härte und Methode gleich.
ASTM D395 enthält unterschiedliche Verfahren: Methode A mit konstanter Kraft, B mit konstanter Verformung und C mit einer härteabhängig berücksichtigten Verformung. Die oben gezeigte Formel gilt für den Versuch mit konstanter Verformung, nicht pauschal für jede Methode.
Zu jedem Prozentwert Zeit, Temperatur, Medium und Prüfmethode lesen. Wasserprüfwerte nach DVGW W 534 sind im Artikel Peroxid-EPDM als Daten einer konkreten Mischung dargestellt; eine allgemeine Produktlebensdauer lässt sich daraus nicht ableiten.
Warum Temperatur und Dauer dazugehören
Temperatur und Dauer beeinflussen Alterung und bleibende Formänderung. Wie stark, bestimmt die konkrete Mischung im tatsächlichen Medium. Ein Kurzzeitwert in Luft ersetzt keinen Langzeitwert in Wasser, Dampf, Öl oder Chemikalien.
Für einen Vergleich möglichst gleiche Prüfbedingungen verwenden. Unterschiedliche Zeit, Temperatur, Medium und Verpressung können unterschiedliche Ergebnisse erklären; eine allgemeine Rangfolge lässt sich daraus nicht ableiten.
Warum das Vernetzungssystem zählt
Peroxid- und Schwefelvernetzung bilden unterschiedliche Brücken zwischen den Ketten. Peroxidvernetzte EPDM-Mischungen können unter Wärme Vorteile haben; entscheidend bleiben Zusammensetzung, Medium und Messwerte der konkreten Mischung.
Beispieldaten einer peroxidvernetzten EPDM-Mischung nach ISO 815-1 und DVGW W 534 stehen im Artikel zu Peroxid-EPDM. Peroxidvernetzte EPDM-O-Ringe sind bei Kinetics Line derzeit Bestandteil von MULTISEAL PRO (12,1 × 2,7 mm), dem Sortiment für Haushalt und Garten. Die Beispieldaten belegen weder die Zusammensetzung noch den Nachweisumfang des gesamten Sortiments.
Was die Zahlen im Dichtkontext bedeuten
Ein niedrigerer Druckverformungsrest bedeutet unter gleichen Prüfbedingungen weniger bleibende Verformung. Er beweist weder eine bestimmte verbleibende Kontaktkraft noch eine feste Lebensdauer. Die verbleibende Kraft wird mit einem eigenen Spannungsrelaxationsversuch erfasst.
Ob die eingebaute Verbindung dicht bleibt, hängt zusätzlich von Einbauraum, Ringmaß, Mischung, Druck, Temperatur, Spalt und Montage ab. Ein allgemeiner Prozent-Grenzwert für das Ende der Lebensdauer lässt sich daraus nicht ableiten.
Andere Schadensbilder einordnen
- Bleibende Formänderung: Kann durch längere Verpressung entstehen; der Druckverformungsrest beschreibt die Erholung im definierten Versuch.
- Medien- oder Wärmeschaden: Quellung, Erweichung, Versprödung oder Risse können Hinweise geben. Aussehen allein beweist den Mechanismus nicht.
- Witterung: Ozon kann bestimmte Mischungen schädigen. Das tatsächliche Material und seine Exposition sind bei der Beurteilung zu berücksichtigen.
- Extrusion: Hängt zusätzlich von Spalt, Druck, Temperatur und Mischung ab; sie ist nicht allein aus dem Druckverformungsrest ableitbar.
Praktische Folgen für die Auswahl
- Daten mit den relevanten Einsatzbedingungen vergleichen, nicht nur mit einem Umgebungswert.
- Mischungen bei möglichst gleicher Temperatur, Dauer, Medium und Prüfmethode gegenüberstellen.
- Ersatz und Wiederverwendung nach Geräte- und Montagevorgaben bestimmen.
Der Druckverformungsrest ist ein Langzeitkennwert der Elastomermischung unter definierten Prüfbedingungen. Härte und Zugfestigkeit allein zeigen ebenso wenig wie ein einzelner Restwert, ob die konkrete Verbindung nach langer Zeit noch dichtet.
Häufige Fragen
Was ist der Druckverformungsrest?
Die bleibende Formänderung eines Elastomers nach festgelegter Belastung und Erholung. Im Versuch mit konstanter Verformung wird sie in Prozent der vorherigen Prüf-Stauchung angegeben: 0 % volle Rückstellung, 100 % keine. Der Wert misst nicht die verbleibende Dichtkraft.
Wie wird er gemessen?
Nach ISO 815-1 oder einer ausgewiesenen Methode von ASTM D395: belasten, unter festgelegten Bedingungen halten, entlasten, erholen lassen und die Dicke messen. ASTM D395 unterscheidet konstante Kraft und konstante Verformung; Zeit, Temperatur, Medium und Methode gehören zu jedem Wert.
Warum kann Peroxid-EPDM unter Wärme Vorteile haben?
Peroxidvernetzung erzeugt ein anderes Vernetzungssystem mit Kohlenstoff-Kohlenstoff-Bindungen. Peroxidvernetzte EPDM-Mischungen können unter Wärme Vorteile haben; ausschlaggebend bleiben die konkrete Mischung, das Medium und vergleichbare Prüfwerte.
Kann ich einen O-Ring nach dem Ausbau wieder verwenden?
Ob das zulässig ist, legt die Montagevorgabe des Geräteherstellers fest. Ein ausgebauter Ring kann bleibend verformt sein, auch wenn er intakt aussieht; im Zweifel einen neuen einsetzen.
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