Die Struktur eines Datenblatts
Vier Kategorien: Einsatzgrenzen für Medium, Druck und Temperatur; mechanische Eigenschaften wie Kompressibilität, Rückfederung und Restspannung; Dichtleistung aus definierten Labortests; Nachweise und Zulassungen im jeweils genannten Umfang. Diese Angaben beschreiben Material und Prüfung. Für die fertige Verbindung kommen Geometrie, Flansch, Schraubenlast und Montage hinzu.
Temperatur — drei Werte, die man auseinanderhalten muss
- Spitzentemperatur: gilt für kurze Spitzen, nicht als Dauerwert. Wie lange die Spitze zulässig ist, muss zu Werkstoff und Anwendung passen.
- Dauertemperatur: ist der angegebene Wert für längeren Betrieb im jeweiligen Anwendungsumfang. Dauerbetrieb oberhalb dieses Werts kann Alterung, Setzen und Vorspannungsverlust beschleunigen.
- Dampftemperatur: Bei Dampf den gesonderten Dampfwert verwenden, soweit er angegeben ist. Eine Grenze für andere Medien ersetzt ihn nicht.
Beispiel GREENSEAL PRO 180 laut Datenblatt: Spitze 180 °C, Dauer 140 °C, Dampf 120 °C. Eine Anwendung mit 150 °C Dauerbetrieb liegt über dem Dauerwert. Der Spitzenwert gibt dafür keine Freigabe. Eine Sorte mit höherem passendem Dauerwert kommt erst nach Abgleich von Medium, Druck und Verbindung infrage.
Druck — und warum er nicht mit der Spitzentemperatur kombinierbar ist
Die Höchstwerte gelten nicht gleichzeitig. Das Druck-Temperatur-Diagramm ist unter den darin genannten Bedingungen heranzuziehen; Dicke, Dichtungsform, Medium und Dichtheitsanforderung müssen dazu passen. Fehlt ein Diagramm, die Kombination vor dem Einsatz mit dem Hersteller klären. Anwendungen nahe einer Grenze brauchen Reserve. Auch im Diagramm können etwa Dicke, Flanschaufbau und geforderte Dichtheit vorgegeben sein. Ein Material-Maximaldruck ist keine Druckfreigabe der fertigen Verbindung.
Mechanische Eigenschaften
- Kompressibilität: Dickenabnahme unter festgelegter Prüflast. Beispiel nach ASTM F36J: GREENSEAL PRO 180 9 %, FLEXSEAL PRO 350 25 %. Höhere Kompressibilität kann die Anpassung an Flächen unterstützen; sie ersetzt keinen passenden Flansch und keine ausreichende Pressung.
- Rückfederung: Anteil der Prüf-Stauchung, der nach Entlastung zurückgeht. Im selben Test stehen für GREENSEAL 60 % und FLEXSEAL 64 %. Das ist kein Wert für verbleibende Dichtkraft im Betrieb. Die genannten Kompressibilitäts- und Rückfederungswerte wurden nach ASTM F36J an 2 mm dickem Material ermittelt: ein Kurzzeittest bei Raumtemperatur, keine Lebensdauerprüfung.
- Restspannung: verbleibende Druckspannung im Materialtest, nicht verbleibende Schraubenkraft. Beispiel GREENSEAL nach DIN 52913: 20 N/mm² nach 16 Stunden bei 175 °C und anfänglich 50 MPa. Nur bei gleichen Prüfbedingungen sinnvoll vergleichen.
- Zugfestigkeit: Spannung bis zum Bruch im Zugversuch, beispielsweise nach ASTM F152. Sie beschreibt eine andere Belastung als die Verpressung im Flansch und ist allein kein Nachweis gegen Ausblasen.
Bei Elastomeren und O-Ringen stehen im Datenblatt ergänzend Shore-Härte und Druckverformungsrest im Vordergrund.
Dichtleistung
- Spezifische Leckrate: Hier nach DIN 3535-6 in mg/(s·m) angegeben — Milligramm je Sekunde und Meter. Beispiel GREENSEAL: 0,04 mg/(s·m). Ein Prüfwert unter festgelegten Bedingungen, keine Leckprognose für die eingebaute Verbindung. Werte nur bei vergleichbaren Prüfumständen gegenüberstellen. Für betroffene Flanschverbindungen für flüssige organische Stoffe verlangt TA Luft Nr. 5.2.6.3 einen Dichtheitsnachweis nach VDI 2290 oder gleichwertigem Verfahren. Ein einzelner Leckwert aus dem Datenblatt ersetzt ihn nicht.
- Dickenzunahme in einer Prüfflüssigkeit: Ein Quellwert, etwa nach ASTM F146, gilt für die genannte Flüssigkeit, Zeit und Temperatur. Ein gutes Ergebnis in einem Prüföl beweist keine Beständigkeit gegen jedes Öl oder jedes Kraftstoffgemisch.
Die Zulassungscodes lesen
| Code | Bedeutung | Beim Lesen beachten |
|---|---|---|
| KTW-BWGL | UBA-Bewertungsgrundlage für organische Materialien im Trinkwasserkontakt | Konkrete Werkstoffgruppe, aktuelle Fassung, Produktform und Einsatzbedingungen |
| DVGW | Regelwerk und Zertifizierung für bestimmte Gas- und Wasseranwendungen | Ein genannter Gasnachweis ist kein Trinkwassernachweis; nur der ausgewiesene Umfang gilt |
| TZW | Prüfinstitut für unter anderem Trinkwasserkontakt | Stellt Prüfberichte aus; ein Institutsname allein ist keine Zulassung |
| TA Luft | Regeln zur Begrenzung von Emissionen in ihrem Geltungsbereich | Kein allgemeiner Gasnachweis und nicht allein durch einen Material-Leckwert erfüllt |
| BAM | Prüfbericht, beispielsweise für Sauerstoff | Nur mit Medium, Druck, Temperatur, Aufbau und den weiteren Berichtsbedingungen lesen |
| WRAS | Water Regulations Approval Scheme | Freiwilliges britisches Nachweissystem; Material- und Produktumfang, Temperatur und Gültigkeit beachten |
| FDA 21 CFR | US-Vorschriften für den genannten Lebensmittelkontakt | Der genaue Abschnitt und die Einsatzbedingungen zählen; kein allgemeines FDA-Zertifikat |
| ACS / CLP | Französische Nachweise für Trinkwasserkontakt | Je nach Produkt und Durchmesser; CRECEP war ein Prüflabor, kein heutiger Nachweisname |
Nachweise sind material- und ausführungsspezifisch. Sie gelten nur für den genannten Werkstoff, die Produktform und die aufgeführten Bedingungen. Sie ersetzen den Abgleich mit der realen Verbindung nicht.
Typische Spezifikationsfehler
- Die Spitzentemperatur als Dauerwert verwenden.
- Maximaldruck und Maximaltemperatur kombinieren, ohne das Druck-Temperatur-Diagramm zu beachten.
- Nur nach einem Zulassungscode wählen und den Geltungsbereich übergehen.
- Einen Nachweis auf eine ganze Werkstofffamilie übertragen.
- Dieselbe Eigenschaft nach verschiedenen Prüfmethoden direkt vergleichen, ohne Norm, Dicke und Bedingungen abzugleichen.
- Kompressions- oder Rückfederungswerte als gemessene Dichtkraft der fertigen Verbindung behandeln.
Reales Medium, Dauerwert, Druck-Temperatur-Kombination und benötigter Nachweis zusammen lesen. Danach Geometrie und Montage abgleichen — so wird aus dem Datenblatt eine begründete Auswahl.
Häufige Fragen
Welche Temperatur aus dem Datenblatt gilt für meine Anwendung?
Für den Dauerbetrieb der Dauerwert im passenden Anwendungsumfang. Die Spitzentemperatur gilt nur für kurze Spitzen. Bei Dampf gilt der gesonderte Dampfwert, soweit er angegeben ist. Medium und Druck-Temperatur-Kombination müssen ebenfalls passen.
Darf ich Maximaldruck und Maximaltemperatur zusammen ansetzen?
Nein. Die Höchstwerte gelten nicht gleichzeitig. Ein Druck-Temperatur-Diagramm ist unter seinen angegebenen Bedingungen heranzuziehen; Dicke, Dichtungsform, Medium und Dichtheitsanforderung müssen passen. Fehlt es, die Kombination mit dem Hersteller klären. Das ist keine Druckfreigabe der fertigen Verbindung.
Ist ein Prüfbericht dasselbe wie eine Zulassung?
Nein. Ein Prüfbericht dokumentiert eine Prüfung unter bestimmten Bedingungen. Welche Aussage ein Nachweis trägt, steht im Geltungsbereich: Werkstoff, Produktform, Dicke und Einsatzbedingungen. Ein Institutsname allein genügt nicht.
Gilt eine Zulassung für die ganze Werkstofffamilie?
Nein. Sie gilt für die bezeichnete Sorte beziehungsweise Ausführung im genannten Umfang und lässt sich nicht auf andere Sorten derselben Familie übertragen.
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