KINETICS LINE · TECHNISCHE BIBLIOTHEKMaterialien & Auswahl · Technisches Merkblatt
BlattKL-097
Stand10/2026
Materialien & Auswahl · O-RINGE

O-Ring-Werkstoffe — NBR, EPDM, FKM, SBR, Silikon und CR im Vergleich

Technik verstehen. Richtig entscheiden.Kinetics Line · Redaktion und technische Inhalte
KINETICS LINEREDAKTIONTECHNIK
KURZ GESAGT

Der Werkstoff bestimmt, welche Medien, Temperaturen und Umgebungen ein O-Ring verträgt; Maß und Einbauraum müssen trotzdem stimmen. Der falsche Werkstoff kann anfangs dichten und später quellen, verhärten oder reißen. Sechs Elastomere im Überblick — maßgeblich bleibt das Datenblatt der konkreten Mischung.

Inhalt

Die sechs Elastomere

  • NBR (Acrylnitril-Butadien-Kautschuk): kann je nach Mischung für Mineralöle, Hydraulikflüssigkeiten auf Mineralölbasis und Kraftstoffe infrage kommen. Gegenüber Ozon, UV und Witterung weniger beständig; Heißwasser und Dampf nur mit passender Freigabe der Mischung.
  • EPDM (Ethylen-Propylen-Dien-Kautschuk): geeignete Mischungen für Wasser, Heizungswasser, Ozon und Witterung; für Dampf nur Mischungen mit passenden Daten, etwa peroxidvernetzt. Gegen Mineralöl, mineralölbasierte Kraftstoffe und Kohlenwasserstoff-Lösemittel schlecht beständig.
    • Peroxidvernetztes EPDM: eine Variante von EPDM. Einsatzgrenzen und Druckverformungsrest hängen von der konkreten Mischung ab. Mehr zu Peroxid-EPDM. HydroSeal — bald verfügbar.
  • FKM (Fluorkautschuk): kommt für viele Öle, Kraftstoffe und höhere Temperaturen infrage; Kälteverhalten, Dampf und einzelne Medien je nach Mischung prüfen.
  • SBR (Styrol-Butadien-Kautschuk): gegen Mineralöl schlecht beständig; Einsatzgrenzen für Wasser und Temperatur aus dem Datenblatt der Mischung.
  • Silikon (VMQ): breiter Temperaturbereich, aber geringe mechanische Festigkeit und Weiterreißfestigkeit — eher für statische Abdichtungen. Silikonöl kann VMQ quellen und weicher werden lassen.
  • CR (Chloroprenkautschuk): mittlere Beständigkeit gegen Witterung und Ozon und begrenzte Ölbeständigkeit; Kältemittel und Schmierstoffe für das konkrete System prüfen.
Sechs O-Ringe: NBR, EPDM, SBR und CR meist schwarz, FKM grün, braun oder schwarz (grün dargestellt), Silikon oft rotbraun, auch weiß. Die Farbe ist kein Werkstoffnachweis.
NBR, EPDM, FKM, SBR und CR können schwarz aussehen. Die Farbe allein weist den Werkstoff nicht nach. Schematisch.

Temperaturgrenzen und Medienverträglichkeit hängen von der konkreten Mischung ab und stehen in ihrem Datenblatt. Allgemeine Einordnungen sind ein Ausgangspunkt, keine Spezifikation.

Verwechslungen mit Folgen

  • NBR in Heizungswasser oder Dampf ohne passende Freigabe: Der Ring kann verhärten und undicht werden. Für geschlossene Heizkreise eine dafür geeignete EPDM-Mischung wählen.
  • EPDM in Mineralöl oder einem ungeeigneten Kraftstoff: Der Ring kann quellen und seine Dichtwirkung verlieren.
  • Silikon an bewegten Dichtstellen: geringe Festigkeit und Weiterreißfestigkeit; eher für statische Anwendungen.
  • Alte Spezifikation ungeprüft übernehmen: Beim Ersatz prüfen, ob der Werkstoff zum realen Medium passt.

EPDM in Heizsystemen — die Vernetzung zählt

Bei EPDM beeinflusst das Vernetzungssystem das Langzeitverhalten unter Wärme. Peroxidvernetzte Mischungen sind über Kohlenstoff-Kohlenstoff-Bindungen vernetzt, schwefelvernetzte über Schwefelbrücken; maßgeblich sind die Messwerte der konkreten Mischung, etwa der Druckverformungsrest. Für Langzeitdaten in Heißwasser auf Messwerte nach DVGW W 534 achten. Peroxidvernetzte EPDM-O-Ringe sind bei Kinetics Line derzeit Bestandteil von MULTISEAL PRO, dem Sortiment für Haushalt und Garten (12,1 × 2,7 mm); Beispieldaten stehen im Artikel zu Peroxid-EPDM.

Auswahl in sechs Schritten

  1. Medium — was berührt die Dichtung wirklich?
  2. Temperatur — Minimum und Maximum, nicht der Mittelwert.
  3. Statisch oder bewegt — mechanische Eigenschaften, Reibung und Einbauraum nach Herstellerangabe auswählen.
  4. Druck und Spalt — höherer Druck kann eine härtere Mischung oder Stützringe gegen Extrusion verlangen.
  5. Nachweise — Trinkwasser, Lebensmittel und Gas verlangen Nachweise der konkreten Mischung.
  6. Standzeit unter Last — ein niedriger Druckverformungsrest ist eine Eigenschaft der Mischung, nicht nur der Werkstofffamilie.

Medium zuerst, dann Temperatur, dann Einbau. Innerhalb einer Werkstofffamilie entscheidet die Mischung. Bei EPDM spielt auch die Vernetzung eine Rolle.

Häufige Fragen

Welches O-Ring-Material für Heizungswasser?

Eine für Heizungswasser geeignete EPDM-Mischung mit passenden Temperaturdaten. NBR nur, wenn die Mischung ausdrücklich für Heißwasser freigegeben ist.

Welches O-Ring-Material für Öl?

Je nach Öltyp und Temperatur kommen NBR oder FKM infrage. EPDM ist gegen Mineralöl schlecht beständig und kann darin quellen.

Was bedeutet peroxidvernetzt bei EPDM?

Die Polymerketten sind über Kohlenstoff-Kohlenstoff-Bindungen statt über Schwefelbrücken vernetzt. Das kann das Langzeitverhalten unter Wärme verbessern; maßgeblich sind die Messwerte der konkreten Mischung, etwa der Druckverformungsrest.

Kann ich einen O-Ring nach Farbe auswählen?

Nein. NBR, EPDM und FKM können gleich aussehen. Den Werkstoff über Teilenummer oder Werkstoffangabe bestimmen; das Maß kommt aus Innendurchmesser und Schnurstärke.

Noch nicht gelöst? Weiter suchen in der Bibliothek →
Oder senden Sie uns Medium & Temperatur — wir empfehlen kostenlos: info@kinetics-line.com E-Mail-Programm öffnen
Die nächste Frage?

Suche nach einem Maß, einem Bauteil oder dem Fehlerbild.

Weitere Artikel finden

Ihr nächster Schritt

Werkstoff und Maße für Ihren Anschluss prüfen.